Diskriminierung von Konsument:innen in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme
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Der vorgelegte Bericht untersucht kritisch den Zusammenhang zwischen Konsum und Diskriminierung in Deutschland. Auf Basis eines systematischen Desk Reviews werden neun marktbezogene Sektoren (Arbeits‑ und Wohnungsmarkt, Gesundheit, Finanzdienstleistungen, Einzelhandel, Mobilität, digitale Märkte, algorithmische Systeme sowie Freizeit‑ und Kulturangebote) analysiert. Dabei stützt sich die Studie auf soziologische Diskriminierungstheorien und intersektionale Ansätze, um die Wechselwirkungen von Macht‑ und Ungleichheitsstrukturen im Konsum zu verstehen.Die Autor:innen konstatieren eine dünne empirische Datenlage: Konsum und Diskriminierung werden kaum gemeinsam untersucht, weshalb der Bericht vor allem qualitative Befunde aus Antidiskriminierungsstellen und NGOs synthetisiert. Er zeigt, dass Benachteiligungen entlang von Alter, Behinderung, Geschlecht, sexueller Identität, Herkunft, Staatsangehörigkeit und Religion in allen betrachteten Märkten auftreten. Diskriminierung äußert sich interaktional, ökonomisch und strukturell‑technologisch, was sich in emotionalen Belastungen, eingeschränkter Kaufkraft und reduziertem Vertrauen niederschlägt. Zugleich bestehen erhebliche rechtliche und institutionelle Schutzlücken: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz ist für Verbraucher:innen schwer durchsetzbar, Beratungsstellen verfügen über begrenztes Wissen, und ein Verbandsklagerecht fehlt.Der Bericht schließt mit der Forderung nach einer integrierten Verbraucher:innenforschung und‑politik, die Diskriminierung als sozialen und ökonomischen Faktor ernst nimmt und strukturelle Barrieren – insbesondere in digitalen und algorithmischen Kontexten – abbaut.