Poliscience: Eine randomisierte experimentelle Untersuchung zu den Effekten eines standardisierten Betäubungsmittelausweises für ADHS-Patienten in mehrdeutigen polizeilichen Kontrollsituationen in Deutschland

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Abstract

HintergrundADHS im Erwachsenenalter betrifft etwa 2,5% der Bevölkerung. Die leitliniengerechte Behandlung erfolgt häufig mit betäubungsmittelpflichtigen Stimulanzien. In mehrdeutigen polizeilichen Kontrollsituationen kann das Mitführen dieser Medikamente trotz legaler Verordnung zu Verdachtsmomenten, Sicherstellungen und Ermittlungsverfahren führen. Diese Studie prüfte, ob ein standardisierter Betäubungsmittelausweis (ADHS-Ausweis®) Verdachts- und Interventionstendenzen deutscher Polizeibeamter reduziert.Methode74 aktive Polizeivollzugsbeamte nahmen an einer zweiarmigen, randomisierten Online-Vignettenstudie teil (Ausweis+ vs. Ausweis-). Bewertet wurden standardisierte Kontrollszenarien; erfasst wurden 11 Wahrnehmungs- und Handlungsintentionen (POL-11). Analysiert wurde mittels MANOVA und univariaten Follow-up-Tests. ErgebnisseIm Vergleich zur Kontrollbedingung führte der Ausweis zu geringeren patientennachteiligen Intentionen, u. a. hinsichtlich Verdacht auf BtM-Handel/Missbrauch, weiterer Kontrollmaßnahmen, Arztkontakt und Sicherstellung der Medikamente. Gleichzeitig stiegen Zuschreibungen von Glaubwürdigkeit sowie gesundheitsbezogene Attributionen. Die Effekte zeigten sich über verschiedene Verhaltensszenarien hinweg und blieben auch bei Risikoverhalten (z. B. Aussageverweigerung, Unfreundlichkeit, Pupillen/Zittern) nachweisbar.SchlussfolgerungDer untersuchte Betäubungsmittelausweis kann in polizeilichen Kontrollsituationen deeskalierend wirken, indem er Verdachtsmomente senkt und patientenbezogene Attributionen stärkt. Replikationsstudien sollten die Generalisierbarkeit in weiteren Regionen und Rechtskontexten prüfen.

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